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Ist Mathe in unserem Alltag wirklich nützlich?

In keinem anderen Fach gehen die Meinungen soweit auseinander wie bei der Mathematik. Es gibt absolute Fans, aber auch überzeugte Verweigerer. Benötigt man es für ein späteres Studium? Ist es hilfreich beim Schreiben oder Lektorat einer Bachelorarbeit? Mit welchen Argumenten kann Mathe punkten?

Was spricht für die Mathematik?

Bildungswissenschaftler vertreten die Auffassung, dass Mathe in unserem Alltag nicht wegzudenken ist. Obwohl viele Menschen auch ohne eine ausgeprägte mathematische Schulbildung sehr erfolgreich agieren, ist laut Experten eine mathematische Kompetenz ein entscheidender Erfolgsfaktor im beruflichen und privaten Alltag.

 

Selbstverständlich werden wir unbewusst überall mit Mathe konfrontiert, zum Beispiel beim Einkaufen, bei der Steuererklärung, bei der Computerarbeit oder beim Navigationsgerät im Auto. Klar, das Navi rechnet alles selbst aus und mit dem Handy kann man an der Kasse selbst mal schnell etwas ausrechnen. Andreas Schleicher, der PISA-Koordinator von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht die Mathematik als „der beste Prädiktor nicht nur für ökonomischen Erfolg, also Einkommen und Erwerbstätigkeit, sondern auch für viele soziale Ereignisse“.

 

Die internationale PIAAC-Studie der OECD hat die Grundkompetenzen von Erwachsenen in 24 OECD-Ländern überprüft und ausgewertet. Dazu gehörten die Lesekompetenz, die mathematische Kompetenz im Alltag und das technologiebasierte Problemlösen. Es zeigte sich, dass das Beherrschen der Basiskompetenzen wie Mathematik zu besseren Arbeitsplätzen, höherem Verdienst und einer häufigeren Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen führt.

Wird Mathe an den Schulen langweilig präsentiert?

Bildungswissenschaftler sehen bei den Schülern und auch bei den Lehrkräften noch Verbesserungsbedarf. Schleicher betont, dass in Deutschland die Schüler besser mathematisches Fachwissen reproduzieren als verknüpfte mathematische Probleme ausarbeiten können. Die Welt heutzutage kann uns nicht für das belohnen, was wir wissen, sondern nur für das, was wir damit anfangen. Aufgrund der Einführung von Bildungsstandards und Vergleichstests wie PISA (Internationale Schulleistungsuntersuchungen bei 15-Jährigen) und TIMMS (naturwissenschaftliches Verständnis bei Grundschülern) sind positive Veränderungen zu bemerken, aber es ist noch Luft nach oben.

 

Grundsätzlich soll der Schüler nicht nur Fachwissen ohne entsprechendes Verständnis abspulen, so wie es noch in den 1990er Jahren verlangt wurde. Beispielsweise zeigte die Diskussion um das Mathe-Abitur, dass im Unterricht eher gewisse Kompetenzen wie zum Beispiel das „mathematische Kommunizieren“ überprüft werden können, als in einer Prüfung. In erster Linie sollen dabei Lösungswege erkannt und aufgezeigt, mathematische Zusammenhänge dargelegt und die eigene Vorgehensweise dokumentiert werden.

Warum ist das mit Mathe so kompliziert?

Eine Ursache könnte die mangelnde Vermittlung sein, meint Jürgen Kramer, Professor für Mathematik und ihre Didaktik an der Humboldt-Universität in Berlin, denn Mathe sei oft „extrem kompliziert“. Schüler hätten einfach Probleme mit Geometrie und Analysis.

 

Weiterhin führt er aus, dass Kriterien erkannt werden müssen. Es bringe nichts, sich nur irgendwie damit zu beschäftigen ohne es wirklich zu verstehen. Kramer bemängelt das Fehlen von anwendungsorientierten Beispielen, zum Beispiel wenn Dreiecke konstruiert werden sollen. Unter anderem könnte mit Kenntnissen aus der Graphentheorie die Planung eines Fahrplans für den ÖPNV entwickelt werden.

 

Weiterhin ist zu bemängeln, dass Schüler das abstrakte Denken erlernen sollen, sich der zu übende Lernstoff bei knapp bemessener Zeit aber zu oft wiederholt. Kramer verweist auf das Bewusstsein für eine zunehmende Abstraktion bei den Schülern und sagt: “Wenn man sich dessen nicht bewusst ist, fehlt auch das Verständnis für die Mathematik und man verliert das Interesse. Den komplexen Stoff später aufzuholen ist dann entsprechend schwierig“. Schleicher verweist auf die Wichtigkeit des „konzeptionellen Verständnisses“.

Warum soll man im Mathe-Unterricht aufpassen?

Mit einem mathematischen Verständnis bewegt man sich in vielen Situationen auch als Erwachsener im Alltag besser. Die Stiftung-Rechnen kommt zu dem Ergebnis, dass das im Mathe-Unterricht Erlernte von vielen Menschen im Alltag nicht angewendet wird und dadurch nutzlos ist.

Unverständnis von Grafiken, Verbraucher-Informationen und räumlichem Vorstellungsvermögen sind die Folgen davon.

Was kann man verbessern?

Für einen effektiven Mathematik-Unterricht werden mathematisch gut ausgebildete Lehrkräfte benötigt. Sie sollen konkrete Verbindungen zwischen der Mathematik aus dem Schulbuch und relevanten Dingen im Alltag herstellen. Kramer möchte bei den Schülern einen nachhaltigen „Aha-Effekt“ erzeugen, was aber entsprechende Zeit für Mathe voraussetzt.

 

Die Stiftung-Rechnen wünscht sich einen Mathematikunterricht, der neugierig macht, begeistert und einen Bezug zur Lebenswelt herstellt. Da Mathe ein schwieriges Fach ist, wird von den Schülern ein gehöriges Durchhaltevermögen und ein Bewusstsein für die Bedeutung des Faches verlangt. Die Kompetenz zum Rechnen und zum Verstehen mathematischer Zusammenhänge muss als positiv und erstrebenswert vermittelt und verstanden werden.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

In seinem Buch „Weltklasse – Schule für das 21. Jahrhundert gestalten“ schreibt Andreas Schleicher, dass zum Beispiel Japan bei den PISA-Vergleichstests immer gut abschneidet. Die Lehrkräfte starten Diskussionen im Klassenzimmer, die das begriffliche Verständnis und die grundlegenden Konzepte des Problemlösens zum Thema haben.

 

Basierend auf den eigenen Erfahrungen der Schüler existiert in Shanghai eine Komponente im Lehrplan, die sich an der Recherche orientiert. Beispielsweise wird in Finnland außerhalb des Klassenzimmers gelernt, weil sich die Schüler auf diese Art an Beispielen aus der Lebenswirklichkeit orientieren können.

 

Heutzutage kann jeder problemlos gewünschte Informationen im Internet finden. Allerdings kann es durchaus als eine Schlüsselkompetenz bezeichnet werden, wenn jemand bereits vorhandenes und neues Wissen kombiniert und entsprechend kreative Lösungen findet. Dafür kann ein effektiver Mathematik-Unterricht die Voraussetzung schaffen.

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Lena (Mittwoch, 07 Oktober 2020 20:53)

    Diese Arbeitsblätter sind voll cool zum wiederholen .���
    Geeiiilll�

  • #2

    Luna (Mittwoch, 07 Oktober 2020 20:54)

    Diese Bilder helfen mir sehr weiter ,danke, cool !!!��

  • #3

    Steffen (Mittwoch, 14 Oktober 2020 16:40)

    Die Lösungen bei der Aufgabe drei (hab nur die gerechnet) stimmen leider nicht vollkommen. f) x=-8
    j) x= 3 h) x= nicht lösbar? (24=32) und i) hat zwei Lösungen nämlich x=8 und x=-3

  • #4

    Andi (Freitag, 16 Oktober 2020 10:53)

    Lösung o) bei Aufgabe ausmultiplizieren ist 10x²+10xy-10x